Grundlagen der Baumfällung

Nach wie vor ist die Baumfällung eine ausgesprochen gefährliche Arbeit. Alleine im Jahr 2007 erlitten von 1000 staatlichen Waldarbeitern bundesweit im Schnitt 119 Personen einen Arbeitsunfall. Rund 66% der Waldarbeiter verunfallten in der Holzernte. Gravierend ist der Anteil an tödlichen Arbeitsunfällen. Dieser ist in der Waldarbeit 3x höher als in der Bauwirtschaft. (Quelle: kwf-online.org/Unfallbericht LSV.de/HRS)

Hier finden Sie eine Schilderung von aktuellen Unfällen bei der Waldarbeit…

Bei genauer Betrachtung der Unfälle stellt man leider häufig fest, das die von der Unfallverhütungsvorschrift vorgegebenen Grundlagen der Baumfällung nicht oder nur unzureichend beachtet wurden.

Neben dem Tragen der persönlichen Schutzausrüstung, einer guten Ausbildung in der Motorsägenarbeit und umsichtigen Verhalten gilt es also, bei der Baumfällung folgende grundlegende Vorschriften zu beachten.

Absperrung von Waldwegen

Befinden sich innerhalb des Gefahrenbereiches Wege oder Straßen, so sind diese vor Beginn der Fällarbeiten sicher abzusperren. Hierzu wird ein Absperrband und ein entsprechendes Warnschild mit der Aufschrift „Achtung Holzfällung“ aufgestellt. Bei starkem Publikumsverkehr müssen zusätzliche Posten, am besten mit einer Funkverbindung zum Holzfäller, aufgestellt werden.

Hier gelangen Sie zum KWF-Merkblatt „Verkehrssicherung“

Gefahrenbereich

Gefahrenbereich

Grundsätzlich ist als Gefahrenbereich die doppelte Baumlänge rund um den zu fällenden Baum anzusehen. Bei einem 25 Meter hohen Baum bedeutet das, dass in einem Radius von 50 Meter rund um den Baum herum sich nur die mit der Fällung beschäftigten Personen aufhalten dürfen. Kontrollieren Sie vor der Fällung diesen Bereich durch einen genauen Rundumblick und fällen Sie nicht, wenn andere Personen sich in diesem Bereich aufhalten.

Werkzeug ablegen

Legen Sie Ihr benötigtes Werkzeug (Spalthammer, Kanister, Reißmeter, etc) so ab, dass es Sie bei der Arbeit nicht behindert bzw. dass Sie nicht darüber stolpern. Gleichzeitig aber sollte es in geringer Reichweite abgelegt werden, damit ein Zugriff problemlos möglich ist.

Baumansprache

Baumansprache

Bevor mit der Fällarbeit begonnen wird, muss der zu fällende Baum genau begutachtet werden. Hierbei gilt es folgende Punkte zu klären:

Checkliste Baumansprache

Baumansprache Kontrolle von: Entscheidung für:
Baumhöhe Geschätzte Höhe in Meter Umfang Gefahrenbereich, Aufenthalt von Personen, Absperrung von Wegen. Gefahr für Gebäude, Leitungen, etc.
Baumkrone Schwerpunktlage, Größe, Laubanteil, Zwiesel, Totholzäste, Nachbarkronen… Richtige Fälltechnik, seilunterstützte Fällung, richtiges Wetter.
Baumstamm Vorwärtshang, Rückwärtshang, Seitenhang, Durchmesser, Fäulnis, Frost, Holzart… Auswahl der Motorsäge, Fälltechnik, zusätzliches Werkzeug (Keile, Stammpresse etc.), richtiges Wetter.
Nachbarbäume Totholzbäume, Totholzäste im Kronenbereich, hängende Äste, Astkontakt mit Nachbarbäumen, wertvolle Bäume (Z-Stämme) Fällkorridor bzw. –schneise vorhanden, Gefahr durch Totholz = seilunterstützte Fällung. Sichtbehinderung, Gefahr durch umknickende Bäume, zurückschleudernde Baumteile, etc.
Gelände Liegendes Holz, Steine, Gräben, Jungwuchs, Gebäude, PKW´s, Leitungstrasse, Waldwege, Strassen, etc. Genaue Fällrichtung, Fälltechnik, seilunterstützte Fällung, Wertverlust des zu fällenden/liegenden Holzes, kann der Stamm ausschlagen, evt. Beratung mit zweiter Person,
Holzsortiment Aufarbeitung von Kurz- oder Langholz. Einfaches/schwieriges Rücken, Fällrichtung,

Arbeitsbereich und Rückweichen

Rückweichen

Räumen Sie Hindernisse (Äste, Steine, Schlingpflanzen, etc.) rund einen Meter um den zu fällenden Stammfuß aus dem Weg. Legen Sie gleichzeitig für jede mit der Fällung beschäftigte Person eine (1) Rückweiche an. Sind mit der Fällung zwei Personen beschäftigt (ein Motorsägenführer, eine weitere Person die den Baum umkeilt!), so sind entsprechend zwei (2) Rückweichen anzulegen. Diese müssen so weit frei sein, das die Personen aus der Kronenfläche des zu fällenden Baumes zurücktreten können.

Fachgerechte Fälltechnik

Fallkerbanlage

Im nächsten Arbeitsschritt legen Sie den Fallkerb mit der Motorsäge an. Dazu halten Sie die Motorsäge in die genaue Fällrichtung. Auf vielen Motorsägen finden sich dazu Markierungen auf der Anwerfvorrichtung. Diese stehen im 90-Grad-Winkel zur Führungsschiene und ermöglichen dem Sägenführer so die korrekte Ausrichtung der Säge in die Fällrichtung.

Sie haben die Wahl zwischen einem 90-Grad-Fallkerb (bei Bäumen bis 20 cm Brusthöhendurchmesser (BHD)) und einem Standardfallkerb mit 45 bis 60 Grad Fallkerbmaul. Bei Bäumen mit einem BHD über 20 cm müssen Sie einen Standardfallkerb mit einem Öffnungswinkel von 45 bis 60 Grad anlegen.

Achtung!
Fallkerbsohle und Fallkerbdach müssen sich in einem Schnitt, der Fallkerbsehne, treffen. Ein Unterschneiden führt zum vorzeitigen Abreißen der Bruchleiste und damit zum Verlust der Führung des Baumes. Ein Abweichen von der geplanten Fällrichtung während des Fällvorganges ist somit möglich.

Je nachdem wie weit die Fallkerbsehne unterschnitten wird, führt das auch unweigerlich zum Totschneiden des Baumes. Die Bruchleiste kann ihre Scharnierwirkung nicht wahrnehmen und der Baum fällt völlig unkontrolliert.

Fallkerbdach unterschnitten Fallkerbsohle unterschnitten Fachgerechte Ausführung
Bruchleiste nahezu totgeschnitten! Bruchleiste nahezu totgeschnitten! Bruchleiste korrekt ausgeformt!

Markierung von Bruchleiste und Bruchstufe

Fälltechnik

Zur präzisen Ausführung des Fällschnittes hat sich das Markieren der Schnitte bewährt. Zeichnen Sie sich mit einem Zollstock und einem Stück Kreide (Alternativ kann man eine Kluppe, einen Fällzirkel o.ä. nehmen) die Bruchleistenstärke (1/10 des Baumdurchmessers) und die Bruchstufenhöhe (1/10) des Baumdurchmessers an.

Achtung!
Das Maß 1/10 bezieht sich auf die „Stammwalze“, also den innere Teil des Baumes, in dem die Holzfasern senkrecht verlaufen! Die „Wurzelanläufe“ zählen nicht dazu!

Kontrolle des Gefahrenbereiches

Bevor Sie mit dem Fällschnitt beginnen, kontrollieren Sie aufmerksam den Gefahrenbereich. Dem Blick rund um den Baum mit genauer Kontrolle folgt ein lauter Warnruf, z.B. „ACHTUNG, BAUM FÄLLT!“ Wenn Sie absolut sicher sind, das sich keine Personen mehr innerhalb der doppelten Baumlänge befinden, können Sie mit dem Fällschnitt beginnen.

Video - Grundlagen der Baumfällung

Fällschnitt anlegen

Fälllschnitt

Der Fällschnitt erfolgt in Höhe der Bruchstufe. Er wird bei gerade stehenden Bäumen als Fächerschnitt waagerecht und mit einlaufender Kette ausgeführt. Aber auch Stechschnitte sind, z.B. bei vorwärts hängenden Bäumen möglich. Die UVV besagt dazu, das Schnitte mit der Schienenspitze nur dann zulässig sind, wenn die Arbeitstechnik dieses erfordert. In unserer Rubrik Fälltechnik finden Sie Anleitungen zu verschiedenen Fälltechniken. Setzen Sie zwischen durch Alukeile (alternativ Kunststoff) in den Schnitt und halten Sie so den Fällschnitt offen. Nach der Fertigstellung des Fällschnittes werden Bäume umgekeilt.

Achtung!

  • Eisenkeile dürfen nicht im gleichen Schnitt wie die Motorsägenkette verwendet werden.
  • Eisenkeile dürfen nicht mit Axt oder Spalthämmer getrieben werden (kein Eisen auf Eisen!)
  • Bäume werden umgekeilt oder umgehebelt. Nicht so lange Schneiden bis der Baum fällt!
  • Neigt sich der Baum vorzeitig, begeben Sie sich sofort in die Rückweiche. Kein Mitschneiden!
  • Empfehlenswert ist der Besuch eines Motorsägenlehrganges!
  • Tragen Sie bei der Arbeit mit der Motorsäge immer die geeignete Schutzausrüstung!

Auf Rückweiche zurücktreten

Nachdem der Baum zu Fallen beginnt, treten Sie unverzüglich aus dem Kronenraum rückwärtig zur Fällrichtung in einen sicheren Bereich. Beobachten Sie aufmerksam den Kronenraum der anderen Bäume. Warten Sie, bis die Kronen der Nachbarbäume sich nicht mehr bewegen. Kontrollieren Sie den Kronenraum auf lose Äste. Arbeiten Sie nicht weiter, wenn der Baum unter losen Ästen oder sonstigen Gefahren liegt.

Nachdem Sie den Arbeitsbereich kontrolliert haben, beginnt nun die Aufarbeitung des Baumes.