Versetzter Fällschnitt (Fällhebertechnik)

Im schwachen und mittelstarkem Nadelholz kann als Fällhilfe, je nach Zweckmäßigkeit, auch der große Fällheber zum Einsatz kommen. Das Werkzeug ist bei Profis und Hobbywaldarbeitern gleichermaßen beliebt. Allerdings bedingt der Einsatz Grundkenntnisse, die bei der Anwendung als Fällhilfe zu beachten sind.

Informationen zum sicheren Einsatz des großen Fällhebers...

In diesem Artikel geht es um die Fälltechnik mit dem großen Fällheber. Gemäß den Unfallverhütungsvorschriften dürfen sich der Fällheber (bzw. Eisenkeile oder sonstige Fällhilfen aus Eisen) und die Motorsäge beim Sägen nicht im gleichen Schnitt befinden. Der Grund dafür ist, das wenn die Kette an das Eisenwerkzeug gelangt, Teile der Sägekette abreißen und umherfliegen können. Um diese Unfallgefahr bei der Fällung auszuschließen, ist also eine besondere Fälltechnik notwendig.

Benötigte Werkzeuge

  • Motorsäge
  • Großer Fällheber
  • evt. Kunststofftaschenkeil

Baumansprache

Abb. 2

Die Fällhebertechnik findet im Nadelholz bis zu einer Baumstärke von 25 cm BHD (Brusthöhendurchmesser = Durchmesser in ca. 1,3 mtr. Höhe) Anwendung. Der zu fällende Baum sollte gerade stehen, ein leichter Vorwärts- bzw. Seitenhang ist ebenfalls denkbar. Bei Rückhängern sollte wegen der zu erwartenden Überbelastung von Mensch und Material besser auf einen Keil als Fällhilfe zurückgegriffen werden. Ebenso schließen die deutlich höheren Holzgewichte einen Einsatz im Laubholz nahezu aus.

Arbeitsablauf

Zu Beginn der Arbeit führen Sie eine sorgfältige Baumansprache durch. Kontrollieren Sie den Gefahrenbereich und sperren Sie bei Bedarf Wege fachgerecht ab. Räumen Sie den Arbeitsbereich und die Rückweichen frei und achten Sie auf einen sicheren Stand.

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Schritt 1

Schritt 1

Nach der Baumansprache und dem Freiräumen des Arbeitsplatzes und der Rückweiche erfolgt die Anlage des Fallkerbs. Bis zu einem BHD von 20 cm empfiehlt sich die Anlage eines Fallkerbs mit einem Öffnungswinkel von 90 Grad (Richtungsschnitt). Dieser hat den Vorteil, das der Baum bis zum Aufschlagen auf den Boden durch die Bruchleiste geführt wird. Und der Fallkerb dringt nicht so tief in den Stamm ein, somit bleibt für den Fällschnitt mehr Fläche übrig. Nachteilig ist, das bei dieser Fallkerbvariante es zu erhöhter Spannung in der Holzfaser kommen kann. Bei stärkeren Bäumen könnte dies zum Aufplatzen des Stammes führen. Daher ist der Richtungsschnitt nur für Bäume bis max. 20 cm BHD zugelassen. Über 20 cm BHD wird dann ein Standardfallkerb mit einem Öffnungswinkel von 45-60 Grad angelegt.

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Schritt 2

Schritt 2

Nach Anlage des Fallkerbs und einer evt. Markierung der Bruchleistenstärke wird mit der Motorsäge zunächst einmal ein Fällschnitt angebracht, der max. 2/3 des Baumes durchtrennt. Die Motorsäge wird in Höhe der Bruchstufe von der Rückseite des Baumes her in Fällrichtung gehalten und mit laufender Kette wird bis an die Bruchleiste herangeschnitten. Wie gesagt, werden dabei nur 2/3 der eigentlichen Fällschnittfläche durchtrennt.

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Schritt 3

Schritt 3

Die Schnittbreite der 0,325“-Ketten ist häufig schmäler als die Materialstärke der Fällheberplatte. Je nach Fällheber kann es daher notwendig sein, den soeben angelegten Fällschnitt etwas zu verbreitern. Am besten schneidet man jetzt in umgekehrter Richtung von der Bruchleiste zur hinteren Stammseite mit der Motorsäge zurück. Durch leichtes Verkanten der Säge wird der Schnitt somit leicht verbreitert. ACHTUNG! Den Schnitt nicht zu stark verbreitern, da ansonsten die Fällheberplatte zu viel Spiel im Fällschnitt hat. In der Folge könnte unter Umständen der Baum nach der Fertigstellung des Fällschnittes sich leicht zurückneigen. Sollte versehentlich der Fällschnitt mehr als die 1,5fache Schnittbreite aufweisen, setzten Sie den Kunststofftaschenkeil in den Fällschnitt und verhindern so ein zurückneigen des Baumes.

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Schritt 4

Schritt 4

Schritt 4
Nachdem der 2/3-Fällschnitt fertig gestellt ist, wird der Fällheber in den Schnitt eingeführt. Achten Sie auf festen bzw. tiefen Sitz der Fällheberplatte im Baum.

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Schritt 5

Schritt 5

Anschließend wird das verbleibende 1/3 des Stammes etwas über oder unterhalb der Schnitthöhe des ersten Fällschnittes so durchtrennt, das die Schnitte sich um ca. 1-2 cm überlappen. ACHTUNG! Die Fällheberplatte darf nicht unterschnitten bzw. überschnitten werden. Lediglich die beiden Schnitte müssen sich überlappen. Auf diese Art und Weise wird der Fällschnitt fertiggestellt, ohne das die Sägenkette und der Fällheber sich im gleichen Schnitt befinden.

Schritt 6

Schritt 6

Zum Abschluss der Fällung „aus den Beinen“ heraus und mit geradem Rücken den Fällheber anheben und den Baum somit in die richtige Richtung zu Fall bringen. Fällt der Baum selbständig weiter, treten Sie auf der Rückweiche in den sicheren Arbeitsraum zurück und beobachten Sie aufmerksam das Ausschwingen der Nachbarbäume.

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Video zum versetzten Fällschnitt

Ergebniskontrolle

Versetzter Fällschnitt

Wenn der Baum durchfällt und Sie alles richtig gemacht haben, sollte der Wurzelstock ungefähr wie die nebenstehende Abbildung aussehen. Bitte beachten Sie auf jeden Fall die Einsatzgrenzen für den Fällheber...

Fällheber Fällen von
Bäumen
Zufallbringen von „Hängern“ Wenden von Bäumen
Kleiner Fällheber
(ca. 80 cm Grifflänge)
25 cm BHD 25 cm BHD 25 cm BHD
Großer Fällheber
(ca. 130 cm Grifflänge)
25 cm BHD 25 cm BHD 35 cm BHD